- X-energy erhält Zulassung zum britischen Prüfverfahren für Reaktordesigns.
- Der Xe-100-Reaktor verwendet TRISO-X-Kügelchen-Brennstoff mit inhärenter Sicherheit.
- X-energy kooperiert mit mehreren Unternehmen zur Umsetzung kommerzieller Installationspläne.
- Die britische Prüfung wird sich auf die Sicherheitsunterlagen der US-amerikanischen Nuclear Regulatory Commission stützen.
Dem US-amerikanischen Reaktordesigner X-energy ist ein wichtiger Durchbruch beim Export seiner kommerziellen Kerntechnik gelungen. Das in Maryland ansässige Unternehmen hat gemeinsam mit dem britischen Energiekonzern Centrica die Zulassung erhalten, sich dem formellen britischen Genehmigungsverfahren für die Bewertung seines fortschrittlichen kleinen modularen Reaktors zu unterziehen. Dieser Meilenstein bringt das Xe-100-System von X-energy in die Generic Design Assessment (GDA) Großbritanniens. Diese Prüfung dient als nationaler regulatorischer Weg zur Bewertung von Reaktordesigns und muss abgeschlossen werden, bevor eine standortspezifische Genehmigung und der Bau erfolgen können.
Technische Merkmale des Xe-100-Reaktors
Anders als herkömmliche kommerzielle Reaktoren, die auf Leichtwasserkühlung setzen, ist der Xe-100 von X-energy ein hochtemperatur-gasgekühltes System, das den speziellen TRISO-X-Kügelchen-Brennstoff verwendet – eine inhärent sichere Brennstoffform, die selbst bei extrem hohen Temperaturen nicht schmilzt. Laut Unternehmen kann jede Reaktoreinheit 80 Megawatt Strom erzeugen, oder eine einzelne Einheit liefert 200 Megawatt thermische Energie für Schwerindustrieprozesse. Um unterschiedlichen Energiebedarf zu decken, lassen sich die Module zu Mehrfachanlagen von 320 Megawatt bis 960 Megawatt zusammenschalten.
Das Unternehmen betont: „Der inhärent sichere Hochtemperatur-Gasreaktor Xe-100 von X-energy und der TRISO-X-Kügelchen-Brennstoff erweitern die Anwendung der Kerntechnik auf kommerzielle Projekte in den Bereichen Stromnetz, Industrie und künstliche Intelligenz. Im Vergleich zu anderen kleinen modularen Reaktoren und herkömmlicher Kernenergie ermöglicht die Technologie von X-energy höhere Sicherheit, niedrigere Kosten, kürzere Bauzeiten und skalierbare Einsetzbarkeit.“ Auch in den USA macht X-energy bei der kommerziellen Umsetzung Fortschritte. Das Unternehmen bereitet gemeinsam mit Dow Inc. an der texanischen Golfküste seine erste kommerzielle Installation vor; die Anlage soll saubere Prozesswärme und Grundlaststrom liefern.
Daneben unterhält das Unternehmen Partnerschaften mit dem regionalen Versorger Energy Northwest und dem Tech-Riesen Amazon. Das Vorhaben zielt auf die Erzeugung zuverlässiger 24-Stunden-Stromversorgung, um den rasanten Ausbau von KI- und Rechenzentren zu unterstützen.
Das britische Prüfverfahren und seine Bedeutung
Zur Unterstützung der kommenden Reaktoren sichert sich X-energy aktiv seine heimische Lieferkette. Im vergangenen Monat erwarb der Entwickler rund 70 Acres Land in der Nähe des Horizon Center Industrial Park in Oak Ridge, Tennessee. Durch den Zukauf wächst das Brennstoff-Produktionsgelände des Unternehmens von 125 auf über 180 Acres und schafft damit den physischen Raum für die Ausweitung der kommerziellen Produktion von TRISO-X-Brennstoffkügelchen. Nun exportiert X-energy dieses Betriebsmodell nach Großbritannien. Den britischen Aufsichtsbehörden ist die gasgekühlte Technik bereits vertraut, da sie ähnliche Reaktorsysteme seit Jahrzehnten betreiben und überwachen.
Zudem reichen die physikalischen Grundlagen des TRISO-Kügelchen-Brennstoffs bis zu frühen britischen Laborforschungen zurück.
Das britische Prüfverfahren wird rund drei Jahre dauern und gemeinsam vom Office for Nuclear Regulation, der Environment Agency und Natural Resources Wales durchgeführt. Wesentlich ist, dass sich die Bewertung stark auf die bereits von der US-amerikanischen Nuclear Regulatory Commission geprüften Sicherheitsunterlagen stützen wird. Die Aufsichtsbehörden beider Länder koordinieren ihre Arbeit, damit die britischen Prüfer die von den US-Inspektoren bereits genehmigten Sicherheitsmodelle und Konstruktionsdokumente einsehen können. X-energy plant den Bau seiner ersten britischen Anlage in Hartlepool und verfolgt letztlich das Ziel, eine landesweite Flotte mit bis zu 6 Gigawatt Leistung zu errichten. In den vergangenen zwölf Monaten haben X-energy und Centrica Standorteignungsstudien durchgeführt, bei den Sicherheitsbehörden frühzeitiges Feedback eingeholt und in Hartlepool ein spezialisiertes Ausbildungszentrum für Kernkraft- und Elektrotechnik zur Fachkräftequalifizierung eingerichtet.
Die Unternehmen warten zudem auf die Entscheidung über ihren Antrag auf Aufnahme in das Advanced Nuclear Pathway der britischen Regierung; offiziellen Ergebnisse werden in den kommenden Wochen erwartet.
Potenzial und Herausforderungen der Expansion von X-energy in Großbritannien
Der Eintritt von X-energy in das britische Reaktordesign-Prüfverfahren markiert die internationale Expansion seiner kommerziellen Kerntechnik. Das Hochtemperatur-Gaskühlsystem des Xe-100 und die inhärente Sicherheit des TRISO-X-Brennstoffs eröffnen neue Möglichkeiten für kerntechnische Anwendungen. Durch Kooperationen mit lokalen Unternehmen kann X-energy nicht nur saubere Energie liefern, sondern auch den Bedarf an künstlicher Intelligenz und Rechenzentren bedienen. Allerdings dauert das britische Prüfverfahren lange und unterliegt strengen regulatorischen Anforderungen, was für die künftigen kommerziellen Pläne eine Herausforderung darstellt.

