Tschernobyl-Katastrophe: Aufräumarbeiten erreichen entscheidende Phase, erste radioaktive Abfälle werden zur Endlagerstätte transportiert

·von Henderson·Engineering
Tschernobyl-Katastrophe: Aufräumarbeiten erreichen entscheidende Phase, erste radioaktive Abfälle werden zur Endlagerstätte transportiert
Schwerpunkte
  • Die Aufräumarbeiten in Tschernobyl haben eine entscheidende Phase erreicht, erstmals werden radioaktive Abfälle transportiert.
  • Der neu in Betrieb genommene Industriekomplex für die Behandlung fester radioaktiver Abfälle übernimmt diesen Transport.
  • Die Bergung der gefährlichen Materialien erfordert spezielle ferngesteuerte Maschinen.
  • Das langfristige Ziel des ICSRM ist die Beseitigung und Behandlung der radioaktiven Abfälle von Tschernobyl.

Die großangelegten Aufräumarbeiten am Unglücksort von Tschernobyl haben eine entscheidende Phase erreicht. Ingenieure haben erstmals die dauerhafte Verlagerung von zurückgelassenem festen radioaktiven Abfall in eine spezielle oberflächennahe Deponie abgeschlossen. Sieben versiegelte Behälter mit schwach bis mittelaktiven radioaktiven Abfällen wurden direkt zur eigens vorgesehenen Lagerstätte – dem ENSDF – transportiert. Dieses Lager ist ein zentraler Bestandteil des Vector-Komplexes, rund 130 Kilometer nördlich von Kiew und etwa 20 Kilometer südlich der belarussischen Grenze. Der Transport ist die erste Lieferung des neu in Betrieb genommenen Industriekomplexes für die Behandlung fester radioaktiver Abfälle (ICSRM).

Der Komplex erhielt Ende Mai des vergangenen Jahres seine Betriebsgenehmigung von der ukrainischen staatlichen Atomaufsichtsbehörde und wurde daraufhin offiziell in Betrieb genommen. Die Anlage wurde maßgeblich vom Europarat finanziert und führt vier verschiedene technische Anlagen in einer einzigen industriellen Verarbeitungslinie zusammen.

Offizielle Inbetriebnahme der neuen Anlage

Die technische Behandlung der zurückgelassenen Abfälle ist Jahrzehnte nach der Katastrophe von 1986 eine gewaltige Herausforderung. Die Anlage steht vor einem enormen ökologischen Fußabdruck, da große Mengen gefährlicher Stoffe noch in gealterten, geschlossenen Lagerhallen lagern, die seit 1978 in Betrieb sind. Die Arbeitsteams müssen diese Einrichtung nun systematisch entleeren. Zu den gelagerten Stoffen gehören alltägliche Industrieabfälle, die sich über Jahrzehnte des Kernkraftbetriebs angesammelt haben. Dazu zählen ausrangierte persönliche Schutzausrüstung, Wärmedämmmaterialien, Kabel, Bewehrungsstahl, lose Erde, Bauschutt sowie verbrauchte Ionenaustauscherharze aus den Wasserfiltrationsanlagen.

Die Bergung dieser gefährlichen Materialien erfordert spezielle ferngesteuerte Maschinen. Die Techniker setzen eine eigens konzipierte Bergungseinheit ein, die darauf ausgelegt ist, täglich etwa 3 Kubikmeter feste Stoffe zu verarbeiten.

Die geschätzte Betriebsdauer dieser Einheit beträgt dreißig Jahre und ermöglicht die Behandlung sämtlicher Kategorien fester Abfälle aus dem Lager von 1978. Nach der Bergung werden die Stoffe in robuste Metalltransportbehälter mit einem Fassungsvermögen von 1,3 Kubikmetern verladen. Diese Behälter werden durch geschlossene Technologiekorridore zu verstärkten Heißzellen transportiert, die als Sortierzentrum dienen. „In dieser Phase wird jede Abfallcharge radiologisch erfasst und kontrolliert", teilte das Kernkraftwerk Tschernobyl in einer Pressemitteilung mit. Nicht für die Standardbehandlung geeignetes höheraktives Material wird sofort aussortiert.

Der technische Prozess der Abfallbehandlung

Die verbleibenden schwach bis mittelaktiven Abfälle werden anschließend in 165-Liter-Stahlfässer gefüllt. Leistungsstarke Industriepressen verdichten den Inhalt der Fässer, wodurch das Volumen deutlich reduziert und der Inhalt stabilisiert wird. Nach dieser Fixierung treten die verstärkten Gebinde ihre letzte Reise durch die Sperrzone an, zum Engineering Near-Surface Lager des Vector-Komplexes. Das langfristige Ziel des ICSRM beschränkt sich nicht nur auf die Räumung des Lagerorts von 1978. Der Komplex ist auch darauf ausgelegt, Abfälle zu behandeln, die beim anhaltenden Rückbau der noch existierenden Reaktoren von Tschernobyl entstehen, sowie Betriebsabfälle, die bei der Instandhaltung der Shelter-Konstruktion über dem zerstörten vierten Reaktorblock anfallen.

Die tägliche Überwachung dieses gefährlichen Logistiknetzwerks obliegt dem zentralen Unternehmen für radioaktive Abfallwirtschaft innerhalb des staatlichen Betriebs SSE CERWM.

Langfristige Herausforderungen der Tschernobyl-Aufräumarbeiten

Die Abfallwirtschaft nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl ist eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe, die sich über Jahrzehnte angesammelte Materialien erstreckt. Mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage tritt diese Arbeit in eine entscheidende Phase und markiert einen Schwerpunkt auf die Altlasten der Vergangenheit. Die speziellen ferngesteuerten Maschinen können gefährliche Stoffe effektiv bergen und verarbeiten und zeigen damit die Bedeutung der Technologie für die Sanierung der Umwelt. Die Auslegung des ICSRM zielt nicht nur auf die Räumung alter Lagerstätten ab, sondern berücksichtigt auch Abfälle aus dem künftigen Reaktorrückbau und verdeutlicht eine vorausschauende Planung im Hinblick auf langfristige Umweltauswirkungen.

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Henderson