Österreichische Wissenschaftler entwickeln quantencomputergestütztes Mikroskop zur Verbesserung der Probenanalyse

·von Henderson·Engineering
Österreichische Wissenschaftler entwickeln quantencomputergestütztes Mikroskop zur Verbesserung der Probenanalyse
Wesentliche Punkte
  • Wissenschaftler entwickeln ein quantencomputergestütztes Mikroskop zur Verbesserung der Probenanalyse.
  • Quantenverschränkung kann mehr Informationen liefern als herkömmliche Mikroskope.
  • Elektronenmikroskope stoßen bei der Beobachtung kleinster Objekte an Grenzen, insbesondere bei biologischen Proben.
  • Die Forscher arbeiten an der Integration von Elektronenmikroskop und Quantencomputer, um ihren Ansatz zu validieren.

Wissenschaftler der TU Wien, der Universität Wien, der Johannes Kepler Universität Linz und der Universität Innsbruck haben ein Mikroskop entwickelt, das einen Quantencomputer nutzt, um Informationen aus analysierten Proben zu gewinnen. Die Forscher planen, Quantenverschränkung einzusetzen, um mehr Informationen zu erhalten, als herkömmliche Elektronenmikroskope liefern können. Seit die niederländischen Optikhersteller Hans und Zacharias Janssen im Jahr 1590 mehrere Linsen in einem Rohr anordneten und damit das erste Mikroskop schufen, bauten die deutschen Wissenschaftler Ernst Ruska und Max Knoll das erste Elektronenmikroskop. Diese Geräte arbeiten nach demselben Prinzip, verwenden jedoch unterschiedliche Mittel zur Bilderzeugung.

Bei herkömmlichen Mikroskopen erzeugt Licht, das durch die Linsen fällt, ein vergrößertes Bild winziger Objekte. Obwohl diese Methode für die meisten Objekte auf der Erde geeignet ist, versagt sie bei Objekten, die kleiner sind als die Wellenlänge des Lichts.

Ruska und Knoll wandten sich daher der Nutzung von Elektronenstrahlen zu – den kleinsten Teilchen in Atomen –, die Objekte erfassen können, die 100.000-mal kleiner sind als die Wellenlänge des Lichts. Elektronenmikroskope finden in zahlreichen Forschungsbereichen Verwendung. „Heute können wir kleinste Details im atomaren Maßstab beobachten", sagt Philipp Haslinger, außerordentlicher Professor am Institut für Atom- und Subatomare Physik der TU Wien. „Allerdings sind dafür viele Elektronen erforderlich, und nicht jede Probe verträgt so viele Elektronen, ohne Schaden zu nehmen. Das wird häufig zum Problem, wenn biologische Proben abgebildet werden, insbesondere einzelne Proteine."

Grenzen des Elektronenmikroskops

Um dieses Problem zu lösen, schlagen die Forscher vor, aus jedem Elektron, das zur Bildgebung verwendet wird, mehr Informationen zu gewinnen – was auch dazu beiträgt, die Gesamtzahl der für die Bilderzeugung benötigten Elektronen zu reduzieren.

Das Forscherteam schlägt vor, dies durch Quantenverschränkung zu erreichen. Dafür soll das Elektronenmikroskop mit einem Quantencomputer auf Basis gefangener Ionen verbunden werden. „Unsere Idee ist es, Elektronen mit einem Quantencomputer zu verknüpfen", erklärt Elias Pescoller, Doktorand am Institut für Theoretische Physik sowie am Institut für Atom- und Subatomare Physik der TU Wien, der an der Arbeit beteiligt ist. „Wir lassen sie mit Ionen wechselwirken, die entlang des Elektronenstrahlpfads fixiert sind." Auf diese Weise können die Elektronen, die das Mikroskop passieren, mit den Ionen im Quantencomputer verschränkt werden, wodurch die Informationen aus den Elektronen über die Quantenverschränkung in den gefangenen Ionen gespeichert werden.

Jedes Elektron, das die Probe durchquert, kann mit dem Quantencomputer verschränkt werden; anschließend werden mittels geeigneter Quantenoperationen Informationen aus den gefangenen Ionen extrahiert. „Wir können die Informationen mehrerer Elektronen optimal kombinieren, um ein Signal mit maximaler Intensität zu erhalten, selbst wenn nur relativ wenige Elektronen verwendet werden", ergänzt Dennis Rätzel, theoretischer Physiker an der TU Wien, in einer Pressemitteilung.

Fortschritte bei der Integration von Quantencomputern

Forscher der Johannes Kepler Universität Linz halfen bei der Entwicklung der Algorithmen, die dieses Ziel ermöglichen sollen. Bisher haben die Forscher die Vorteile dieses Ansatzes nur mathematisch demonstriert. Sie arbeiten nun daran, ein Elektronenmikroskop mit einem Ionenfallen-Quantencomputer zu integrieren, um diese mathematischen Berechnungen experimentell zu überprüfen. Die mathematischen Berechnungen wurden auf dem Preprint-Server arXiv veröffentlicht.

ElementSpezifikation
ProzessorQuantencomputer
TechnologieQuantenverschränkung

Wie Quantentechnologie die Mikroskopie verändert

Die Einführung von Quantencomputern eröffnet der Mikroskopietechnik neue Möglichkeiten, insbesondere bei der Analyse winziger biologischer Proben. Herkömmliche Elektronenmikroskope können zwar Details im atomaren Maßstab sichtbar machen, doch das Risiko einer Probenschädigung begrenzt ihren Einsatz. Durch Quantenverschränkung hoffen die Forscher, die Anzahl der benötigten Elektronen zu reduzieren und gleichzeitig die Qualität der gewonnenen Informationen zu verbessern. Dies könnte nicht nur bestehende Mikroskopietechniken verbessern, sondern auch Forschung in Bereichen wie Biomedizin und Materialwissenschaften voranbringen und das Potenzial der Quantentechnologie in den experimentellen Wissenschaften verdeutlichen.

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